Manuela & Philip:
USA - Südwesten 2007

"Ich hab da Verwandte"... "und die Landschaft soll toll sein"... "die ganzen Freizeitparks"... "der Pazifik"... "und im Winter sind da keine großen Spinnen oder Schlangen (meint man so, als Unbedarfter :)"... "und der Wilde Westen", gerade das war ein sehr interessantes Thema.

Wir beide --- Manuela (damals 23), zuhause passionierte Springreiterin mit eigenem reitbaren Untersatz, ich (ebenfalls 23) als alter Lucky Luke Sammler, John Wayne und Clint Eastwood Fan, gebrannte Kinder --- haben uns im Vorfeld dann übers Internet erkundigt, was denn in Sachen Ranch Holidays so angeboten wird. Und schon drei Stunden nach meiner ersten e-Mail an Steffi hatte ich dieselbige am Ohr, wegen der Ranch und einer eventuellen Buchung.

Mitten in den Planungen, die letztendlich gar keine waren, fünf Wochen, vom 31.12.2006 bis 02.02.2007, mussten wir uns festlegen auf einen fixen Zeitraum, entweder gleich am Anfang, oder am Ende des Urlaubs. Aber wir haben es dann bei der losen Anmeldung belassen müssen, und haben dann kurzfristig gebucht, nachdem der Löwenanteil unseres Trips gemacht war. Wir wussten, bis wir das Mietauto bekommen hatten, ja nicht mal ob wir "rechts- oder linksrum fahren" wollten. Auf einmal war dann der Flieger gebucht, wir standen am Flughafen und unser vorreserviertes Hotel hatte uns auch schon Unterlagen gemailt.

Den ersten Abend in Las Vegas, haben wir nur halb erlebt, den Jahreswechsel haben wir im Bett verbracht, nach dem langen Flug, war es nicht mehr möglich, die Zeit sinnvoller totzuschlagen, als zu schlafen.

Nun ging es parallel los, "wir brauchen ein Mietauto", "und die ganzen tollen Hotels müssen wir anschauen". Das Auto hatten wir über den Internetanschluss im Hotel auf einer deutschen Seite gebucht und dann ging der Urlaub auch schon so richtig los. Wir haben dann den Strip südlich besichtigt, mit dem Hintergedanken, vor der Rückreise den nördlichen Teil noch anzuschauen.

Gleich 30km hinter Las Vegas das erste Highlight, der Lake Mead (riesige Wasserpfütze in mitten der Wüste Nevadas, beeindruckend), und der mächtige Hoover Dam als Talsperre, Strasse, Staatsgrenze und Stromlieferant für den Stromfresser Vegas. Dort habe ich übrigens im Imbiss den "best burger ever" auf der ganzen Reise bekommen, die anderen waren alle gut, aber der war Wahnsinn! (Tipp)

Mit den ersten 100 Fotos auf der Speicherkarte sind wir dann Richtung Grand Canyon aufgebrochen, haben entlang der alten Route 66 die Landschaften bestaunt, und sind nach insgesamt 218 m von Vegas aus in Williams abends in das erste Motel unseres Road Trips, dort ins Internet und mal wieder den Eltern geschrieben, dass alles ok is.

Grand Canyon:
Am nächsten Morgen, Wahnisnns - Frühstück in einem super Diner direkt gegenüber unseres Motels. Das Denver-Omelette, Hash Browns und Toast war, ebenso wie Manuela's Blueberry Pancake, eine Wucht. Anschließend Raureif kratzen am Auto und auf geht's Richtung Great Hole. Der erste Blick in dieses Meer von Felsen, Farben, Figuren und Erdgeschichte war einfach unglaublich.

Wir haben dann noch eine Wanderung auf die hälfte des Canyons gemacht (Cedar Point), an dem uns eine Muli - Lastenkarawane entgegenkam. Leider ist uns zwischenzeitlich aufgrund mangelnder Erfahrung der Akku unserer Kamera hops gegangen, die Bilder vom Wegwerffoto sind somit nur auf althergebrachte Art und Weise zu besichtigen.

Nächster Fixpunkt war dann das Monument Valley, mit Schlafplatz im Hampton Inn in Kayenta, der vorgelagerten etwas verschlafenen Indianerstadt. Für alle Nachahmer, bitte nicht auf Tuba City verlassen, wer hier auch nur fünf zusammenhängende Häuser erwartet, wird bitter enttäuscht werden, und die Landschaft am Weg, lädt eh ein, bis zum Sonnenuntergang weiterzufahren.

Im Monument Valley wurden sämtliche Erinnerungen an gesehene Filme wach, haben für Opa eine John Wayne Tasse gekauft, und den Touri - Rundkurs mit all seine fotogenen Facetten absolviert, alles in allem ein wunderschöner Fleck Erde, der von den Navaho gewinnbringend allein verwaltet wird. Der Zusatzeintritt (der Annual Pass für Nationalparks gilt hier nicht) war auf jeden Fall gerechtfertigt.

Anschließend ging es in Richtung Süden weiter über Many Farms (<- stimmt wirklich :)) zum Canyon de Chelly. Ein mit Mikroklima ausgestatteter, noch von Indianern bewohnter, wunderschöner Canyon, an dessen Steilwänden Spuren der Indianer zu sehen sind, die in Vorzeiten in den dortigen Höhlen gewohnt haben.

Dann galt es, langsam die Kurve Richtung Süd-Kalifornien zu kriegen, hierbei haben wir noch den Petrified Forest Nationalpark mitgenommen, ein ebenfalls von tausend Farben durchzogenes wüstenhaftes Areal, auf dem aber überall alte versteinerte Bäume in noch viel mehr Farben zu finden sind. Wenn er auf dem Weg liegt, ein durchaus sehenswerter Park.

Die Weiterfahrt führte uns dann in Richtung California, "der Jugendtraum wird nun schon mit 23 wahr..." inklusive Schneesturm in Arizona. Unglaublich, aber wahr.

Anschließend sind wir zwei Nächte zu meinen Verwandten in Brawley, CA. Von dort aus hatten wir eigentlich eventuell einen Abstecher nach Mexico geplant, was dann aber aufgrund der Hürden der Automietfirma ausgefallen ist.

Nächstes grobes Ziel: die Stadt der 41 18-Loch-Golfplätze, Palm Springs, mit dem Joshua Tree Nationalpark und dem Mount San Jacinto. Zu den Bäumen, die sind sehr schön anzusehen, jedoch liegt ebenfalls ein riesiger "Wald" auf dem weg von Vegas zu Carrol und Roy, also konnte man sich den Joshua Tree Nationalpark getrost sparen... sollte man sich noch einen wunden hintern holen wollen. :)

Palm Springs ansich erinnert an die europäischen Mittelmeer - Metropolen, wie Cannes und ähnliches, mit einer durchaus touristisch erschlossenen Innenstadt. Uns hat es sehr gefallen. Ebenso die indian Canyons, die wie kleine Oasen im kargen Bergland Palmen und alles andere grüne und krabbelige hervorbringen. Der Mount San Jacinto erinnert an unsere Wälder, wie Pfälzer oder bayrischer Wald oder Eifel, wenn man nicht immer mal wieder 1500 Meter ins Tal sehen würde. Sicher einen Tagesausflug wert.

Ab nach San Diego! In San Diego am Mission Beach entlang spazieren, klasse Gefühl, wenn man den beißenden Januarwind und die für die hiesigen extrem kalten Temperaturen (20 Grad Celsius) als kälteerprobter Mitteleuropäer angenehm empfindet.

Sea World war einfach nur der Hammer, ebenso wie der Zoo (laut Prospekten der größte der Erde) und der San Diego Wild Animal Park, eine riesige abgesperrte Landschaft, in deren inneren großräumigen Gehegen alles von der Ameise bis zum Zebra zu finden ist.

San Diego ansich habe ich als eine der schöneren Städte empfunden, nicht ganz so groß und schmuddelig wie L.A. trotzdem Großstadt - Charakter und immer und überall Meer. Dort gab es dann auch bis dahin den zweiten kulinarischen Höhepunkt der Reise, ein brasilianisches Steakhaus (es kommen solange Fleischspieße in allen Varianten bei dir vorbei bis du satt bist, gigantisch).

In Anaheim haben wir dann Quartier bezogen, für Disneyland, die Universal Studios, Hollywood, Beverly Hills, etc...
Die Stadt (der Stadtkomplex an sich) ist meiner Meinung nach den Sprit nicht wert, den man im Stau verbraucht, obwohl das Benzin ja echt billig ist. Aber die Freitzeitparks, bei denen sich dann noch Knott's Berry Farm als echt unüberlaufener, aber hervorragend ausgestatteter Vertreter erwies, waren diesen Abstecher in den Moloch allemal wert.

Bevery Hills ist im Prinzip schnell erklärt, wie Bogenhausen oder Grünwald auf amerikanisch, das war's. Aber auch mal sehenswert, da durch zu fahren, wenn man eh auf dem Weg in die Universal Studios ist, anstatt den Highway zu nehmen.

Die anschließenden !drei Tage!, die wir brauchten, bis wir oben in San Francisco waren, waren auf jeden Fall, obwohl fast nur im Auto, ein echtes Highlight. Die Straßen 101 und 1 sind nicht umsonst direkt nach der Route 66 die bekanntesten Highways. Wunderschöne Blickwinkel aufs Meer, Robben, überall wahnsinnig viele Steaks auf den Weiden, wenn die Straßen im Landesinneren entlang führen. :)

100%ig zu empfehlen ist ein Abstecher ins im Kolonialstil restaurierte Santa Barbara, sehr schöne "Kleinstadt" mit 80.000 Einwohnern, von denen wohl 50.000 reich sind, und mindestens 79.000 Surfer sind oder waren.

San Francisco ist als Stadt ziemlich europäisch geprägt, abgesehen von den typischen Straßenzügen, die einfach "an den Berg geworfen wurden". Sehr schön anzusehen, durchspazieren. China Town und Alcatraz (die Gefängnis - Insel) sind sicher interessant für jedermann, ebenso geben die Hafenanlagen einiges her an Unternehmungen und Essen in allen Varianten.

Im Norden über die Golden Gate Bridge (ein Fotoziel für sich, wie sich ja jeder denken kann) kann man dann noch einen Abstecher in die Muir Woods machen, ein Nationalpark, mit Coast Redwood Bäumen, deren Bestände seit Ankommen der Weißen fast komplett verschwunden sind.

Von San Francisco aus sind wir Richtung Yosemite Nationalpark aufgebrochen; ein Nationalpark von der Vegetation wie bei uns. Die Berge und Felskonstellationen mit teilweise 1.000 Meter hohen Abbruchkanten sind einmalig. Wir hatten außerdem noch das Glück, einen halb vereisten Wasserfall auf 150 Meter vor die Linse zu bekommen.

Da der südlich gelegene Kings Canyon Nationalpark im Winter geschlossen ist, sind wir anschließend direkt in den Sequoia Nationalpark, um die zweite Art der californischen Riesenbäume zu betrachten, die größten derzeit bekannten Gewächse unseres Planeten, mit Umfängen bis zu 35 Meter pro Stamm.

In Richtung Death Valley haben wir uns dann ordentlich verfranst und sind nachts ohne Mobilnetz über eine für die Ranger angelegte Dirt Road in den Nationalpark gekommen, außer einem etwas unwohlen Gefühl hat uns das aber nicht geschadet.

Death Valley ist alles andere als tot. Touries, Tiere, Kakteen, und wieder bunte Gesteins - Formationen, die dich durch den kompletten Südwesten begleiten. Alles geboten und sogar ein kleines "Schlösschen". Hier hat ein Großindustrieller mithilfe seines Freundes Scotty um die Jahrhundertwende 1900 ein überdimensioniert erbautes Luftkur - Häuschen errichtet.

Der tiefste begehbare Punkt der Vereinigten Staaten, Badwater, war ebenfalls sehenswert, und die immer wieder stetig vertrocknenden Wasserpfützen hinterlassen selten schöne Salzkristall - Blumen auf dem Boden.

Von da an gab es nix mehr auf der Liste, außer zwei Sachen: Cowboy spielen und den von allen im Vorfeld als "musst seen" bezeichneten Bryce Canyon in Utah.

Im Death Valley haben wir dann wieder mit Steffi (über meine Mum zuhause als fähige telefonschaltzentrale) kontaktiert und uns tatsächlich auf der Ranch angemeldet, was aufgrund unserer gemütlichen und unorganisierten art zu reisen nicht immer hundertprozentig sicher war.

Bei unserer Nachtfahrt im Anschluss an Death Valley haben wir es bis Kingman geschafft und sind dann nachmittags am darauf folgenden Tag, nach Besuch des hiesigen Stadt-, und Cowboy Museums von Carrol am McDonalds in Wickenburg mit ihrem ganz standesgemäßen Pick up Truck abgeholt worden.


Williams Family Ranch:
Nach Standortbesichtung inkl. "Busbahnhof" haben wir dann auch schon Abendessen bekommen (Fleischpflanzerl, Pork Chops, Putensteaks, etc. mit alle möglichen klasse Beilagen) und sind dann noch etwas spazieren gegangen, am Bach zu den Pferden und den kleinen Hunden am "Stall".

Das Frühstück war einfach nur ohne Worte, alles da, Fleisch, Pancakes, Toast, Kaktus - Marmelade, ... einfach Wahnsinn. Anschließend sind wir dann zu einem "kleinen" Orientierungsritt über vier Stunden, bei dem uns Grandpa einen schönen Überblick über die Ranch verpasst hat. Der Hintern tat mir eigentlich gar nicht so sehr weh, und das als blutiger Rookie, wir haben eine tote (wusste keiner zu diesem Zeitpunkt) Klapperschlange gesehen und sind mit unseren "Ziegen ohne Hörner" über die mit Kakteen und Sträuchern bewachsene Landschaft geritten... traumhaft.

Nachmittags sind dann die ganzen Wochenend - Arbeiter, und Entspanner (Roy's Sohn mit den Enkeln) gekommen. Mit Roy's Enkel sind wir dann zum Schießen auf die andere Seite des Tals gefahren, an den "Schiessstand". Jeder deutsche, europäische Sportschütze oder Soldat würde sich über die Sicherheitsvorkehrungen die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Aber es war alles in Ordnung, und auf Sicherheit wurde sehr großen Wert gelegt, wenn auch ohne feste Regeln, sondern im Rahmen des gesunden Menschenverstandes.

Manuela hat dann zum ersten Mal in Ihrem Leben scharf geschossen, und auch für mich war es ein Erlebnis, mit Colts und Hirschgewehr zu versuchen, die Scheiben zu treffen.

Abends gab es dann "das beste Stück Fleisch, das ich je gegessen habe" (das möchte ich als geschütztes Zitat verstanden wissen), wir hatten ein Barbeque und die Steaks waren wirklich die Obergrenze an Genuss, den man beim Essen erleben kann. Natürlich waren auch der Salat und die Kartoffeln hervorragend. Anschließend haben wir uns alle im Wohnzimmer den "Guardian" angesehen.

Am nächsten Morgen haben uns Roy's Enkel und dessen Schwester noch mal mit raus genommen, auf einen Ritt zu alten Minengebäuden und - eingängen, die teilweise sogar wieder restauriert wurden.

Am Abend beim Essen hatte Roy mit einem Satz bei mir für Erstaunen gesorgt. Twister, das Pferd, das ich geritten hatte, würde Kakteen hassen, und gelegentlich einmal den ein oder anderen Satz darüber hinlegen. Dies hat mich dann in einem von Kakteen umzingelten Steilhang den wir bergab ritten wieder eingeholt. Aber den Aufschlag meines Herzens in der Hose muss Twister durch den Sattelbaum gespürt haben und er ist dann tatsächlich durch das ganze Gestrüpp hindurch, anstatt das Fahrwerk einzuziehen. Klasse Tiere, was da für Steigungen gegangen werden, da hat man als Mensch schon Probleme, ohne Hände voranzukommen.

Roy hat uns dann nach dem Mittagessen noch die beste Rückreiseroute ausgesucht und dann war das Wild West - Abenteuer leider auch schon wieder vorbei.

Der von uns während des kompletten Aufenthalts (abends beim ausräumen des Koffers) vermisste Geldbeutel (mit jeder menge Kohle) ist dann im Auto gelegen, hier noch mal danke an alle, denn ich glaube, es wurde noch nie irgendwo von so vielen Menschen für einen Geldbeutel gebetet als dieser Tage auf der Williams Family Ranch in Wickenburg, AZ.

Dann sind wir durch die Prärie in Richtung des zweiten großen Damms dieser Region, den Boulder Dam, in Richtung Utah und Bryce Canyon gefahren. Dieses Areal von roten Gesteins - Formationen war noch beeindruckender als alle anderen Formationen unterwegs (ja, auch noch beeindruckender als der Grand Canyon). Man hat das Gefühl, es wurde eine Armee von Menschen zuerst auf drei bis fünf Meter vergrößert und versteinert. Steinerne Rundbögen und andere von der Natur geschaffene Skulpturen runden das Bild ab.

Auf dem Rückweg nach Las Vegas lag dann noch der Zion Nationalpark, ein ebenfalls unbeschreiblich schöner Naturpark, durch den man ebenfalls wie alle anderen Nationalparks mit langsamer Geschwindigkeit eigentlich überall hinfahren kann.

Zum Ausklang dieses Gewitters von Bildern und Eindrücken "im kältesten Winter in Arizona und Kalifornien seit 70 Jahren" (laut Fernseher) verbrachten wir die letzten anderthalb Tage wieder in Las Vegas, gingen noch einkaufen in eine Mall (die ganzen Mitbringsel, unterwegs gekauft, reichten ja noch nicht aus :)), kauften günstige Klamotten, schliefen im Stratosphere Tower und haben auch alle drei Fahrgeschäfte auf dem Dach ausprobiert, interessant.

Am 02.02. sind wir dann wieder abgehoben, in Richtung Schweinsbraten und Knödel bei Muttern zu Hause, auch lecker.

Manuela und Philip
2007/I

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